Interview
Ausg. 176 Januar - Februar 2011
Ich bin`s dein Nachbar...Ulrike Staschik
Mit der Räubertochter hat Mülheim endlich wieder einen Kinder Second Handladen.
Ganz unkompliziert können Sie in der Wallstraße 137, ihre Kindersachen weitergeben und finden mit Sicherheit das ein oder andere für ihre Pänz. Das Sortiment von Inhaberin Ulrike Staschik ist
breit gefächert. Vom guten Kinderwagen über Bücher bis zu Kinderkleidung ist alles vertreten.
Ich habe Ulrike Staschik besucht und mit ihr bei einer Tasse Kaffee und Keksen gesprochen.
Ulrike Staschik
Kurz gesagt:
Ein guter Tag beginnt für mich, wenn...ich einen Kaffee in der Hand habe.
Ich komme ursprünglich aus...Erftstadt
Ich bin nach Mülheim gekommen, weil...hier die Wohnungen günstig waren
Mein liebster Fleck Mülheim ist...am Rhein hinter dem Katzenbuckel
Drei Worte, die meinen Charakter beschreiben...spontan, zuverlässig, humorvoll
Ich mag gern,...Schokolade und Musik
Ich mag nicht gern,...wenn ich friere
Ich lese zur Zeit das Buch...“Ich und die anderen“ von Matt Ruff
Dieses Erlebnis vergesse ich nie...die Geburt meiner Tochter
Auf eine einsame Insel nehme ich mit...meine Familie
Als Kind wollte ich...immer groß werden
Glück bedeutet...Familie, Zufriedenheit, gesund sein,…eben die kleinen Dinge im Leben
Hallo Ulrike, du lebst mit deinem Mann und deiner Tochter in Mülheim. Das Veedel gefällt dir persönlich gut, so dass du unter anderem diesen Laden eröffnet hast... Warum lebst du hier so
gern?
Ja das stimmt, ich wohne total gern in Mülheim. Ich bin in Erftstadt aufgewachsen und Köln ist die nächst-größere Stadt, also hat es mich hierher gezogen.. Allein, dass Mülheim am Rhein liegt ist
schön. Außerdem sind wir hier sozial angebunden, durch den Kindergarten und durch Freunde. Ich finde Mülheim entwickelt sich immer mehr. So kommen auch immer mehr Familien hier hin.
Wo siehst du hingegen noch Entwicklungsbedarf?
Es gefällt mir nicht, dass es diese Grenze direkt im Viertel gibt. Eigentlich kann man Mülheim glatt durchschneiden. Zwischen Berliner Straße und dem Rest Mülheims besteht ein großer Unterschied.
Ich fände es gut, wenn sich die Gegensätze mehr vermischen würden.
Du hast lange Zeit als Reiseleiterin und Animateurin gearbeitet, wie bist du dazu gekommen einen Kinder Second Hand Laden zu eröffnen?
Zum einen bin ich selber überzeugte Flohmarktgängerin und Second Hand- Käuferin. Zum anderen wollte ich schon immer etwas Eigenes haben. In ein klassisches Arbeitnehmerverhältnis passe ich durch
meine berufliche Erfahrung einfach nicht mehr hinein. Die freie Arbeit hat mir immer sehr gut gefallen. Also habe ich mich nach der Auszeit, mit meiner Tochter, schließlich entschlossen einen
Laden zu eröffnen.
Aus dieser Motivation heraus hast du hier in der Wallstraße 137 das Ladenlokal gefunden. Wie ist das Konzept entstanden?
Ursprünglich wollte ich einen Kinder-Buchladen führen. Ich habe auch eine sehr schöne Bücherecke, doch ich habe das dann ausgeweitet. Ich wollte, dass es hier Dinge gibt, die für jeden erreichbar
sind. Ich meine damit, dass man bei mir einen guten Pulli zu einem bezahlbaren Preis bekommen kann. In Mülheim ist einfach der Bedarf für einen Kinder Second Hand Laden da. Hier leben ganz
normale Familien, die nicht die Mittel haben, immerzu neue Sachen zu kaufen.
Die Räubertochter ist ein Laden für alle und für jedermann.Und so ist auch für jeden etwas dabei. Zusätzlich hat der Laden eine gemütliche Atmosphäre und eher Wohnzimmercharakter.
Dein Konzept ist unkompliziert und einfach. Wie funktioniert der Second Hand Ankauf und Verkauf?
Ich nehme alle Waren für 3 Monate in Kommission. Am Ende wird der Verkaufserlös Hälfte – Hälfte geteilt. Ich nehme i.d.R. nur gebrauchte Waren an. Hier steckt keine ausgeklügelte
Verkaufsstrategie dahinter, sondern eher der Gedanke: „Kommt her und schaut euch um.“ Viele Familien haben die ausgetragenen Kindersachen im Keller stehen und nehmen sich vor, diese auf dem
Flohmarkt zu verkaufen. Irgendwann…schließlich machen sie es doch nicht. Ich kenne das ja selber. Nun können sie die Kindersachen zu mir bringen.
Du hast die Gemütlichkeit bereits betont und ich kann es bestätigen. Auch ist der Laden sehr gut bestückt, woher hast du die Sachen?
In der Räubertochter ist nichts neu. Selbst die Möbel sind von Hausauflösungen, Kalaydo u.s.w. Während ich renoviert habe, habe ich schon einmal ein kleines Schildchen ins Schaufenster gehangen.
Da kam bereits der ein oder andere und hat nachgefragt und hat Sachen gebracht. Zusätzlich bin ich in Kindergärten gegangen.
Ab Januar 2011 hast du offiziell geöffnet. Wie ist bisher die Resonanz?
Dafür dass ich gerade geöffnet habe, ist der Bestand recht ordentlich. Kinder sind gern hier. Sie können die Sachen auch anfassen und spielen.
Du möchtest das Ladenlokal für weitere Aktionen nutzen. Was kann man in der Räubertochter noch erleben?
Es gibt einen Kinder Vorlesenachmittag. Hier wird Kindern einmal im Monat kostenlos vorgelesen. Zusätzlich sind weitere Lesungen, auch mal für Erwachsene, geplant. Ich hoffe dass das angenommen
wird. Gern können mich Interessenten ansprechen.
Du gestaltest bereits dein Leben tatkräftig. Wenn du die Macht hättest, die Welt nach deinen Wünschen zu gestalten, wie sähe sie dann aus?
Ich fände es schön, wenn überall schöne Musik zu hören wäre. Es würde harmonisch ablaufen. Die Welt wäre weniger kommerziell. Die Menschen würden untereinander tauschen und
mehr miteinander sein.
Was glaubst du, können Menschen in ihrem Alltag tun, um ihr Leben positiv zu beeinflussen?
Wir können eigentlich gar nicht so viel tun. Jeder einzelne kann nur für sich selber positiv denken.Etwas anderes kann man nicht tun. Wenn man positiv denkt, dann handelt man positiv und
umgekehrt.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass sich der Laden entwickelt und dass es schön wird. Ich meine damit, die Räubertochter ist für mich ein Lebensmittelpunkt, daher wünsche ich mir, dass ich hier gern bin. Ich
wünsche mir, dass sich auch die Lesungen entwickeln. Und ich wünsche mir, dass überhaupt Entwicklung stattfindet und alles immer weiter geht.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Räubertochter!
Ilka Baum
Räubertochter
Kinder Second Hand
Inh. Ulrike Staschik
Wallstr. 137
51063 Köln-Mülheim
Raeubertochter-2.hand@hotmail.de
Öffnungszeiten:
Mo-Fr. 10-18 Uhr
Sa. 10-13 Uhr
Ausg. 175 Dezember 2010 / Januar 2011
Ich bin`s dein Nachbar...Anke Münick
Anke Münick lebt in Köln-Buchheim und möchte mit der Methode der Quantenheilung Menschen helfen, ihre Selbstheilungskräfte anzukurbeln. Zugegebenermaßen klingt die Thematik zu Beginn etwas
abstrakt und abgehoben. Beschäftigt man sich genauer damit, wird klar, dass es sich bei dieser Methode schlicht um Energie und Physik handelt.
Um sich selbst zu helfen, ist die junge Frau auf Quantenheilung gestoßen
und hat verschiedene Techniken bei Günter de Jong (NL), der das Ganze nach Europa brachte, erlernt. In Einzelbehandlungen, Vorträgen und Workshops bringt Anke Münick interessierten Menschen die
Heilmethode näher.
Anke Münick, kurz gesagt:
Ein guter Tag beginnt für mich...mit telefonischem Weckdienst meiner lieben Schwester, plaudern zum wach werden und einem Pott Kaffee
Ich komme ursprünglich...von der Mosel. Ein wunderschöner, kleiner Weinort. Kölner sind dort sehr häufig gesehen :)
Ich bin nach Mülheim gekommen, weil...es an der Zeit war, einiges in meinem Leben zu ändern
Mein liebster Fleck Mülheim ist...natürlich alles in Richtung Rhein. Da ich in Buchheim wohne bin ich öfter in der Merheimer Heide unterwegs.
Drei Worte, die meinen Charakter beschreiben...gerechtigkeitsliebend, wahrheitsliebend, bodenständig
Ich mag es gern...mich mit lieben Menschen zum Frühstück zu treffen
Ich mag nicht gern...wenn ausgesprochenes wieder zurückgenommen wird
Ich lese zur Zeit das Buch...Jetzt! Die Kraft der Gegenwart von Eckardt Tolle
Dieses Erlebnis vergesse ich nie...die Geburten meiner Töchter
Glück bedeutet...wenn man leben kann, was man fühlt
Hallo Anke, warum bist du von der Mosel an den Rhein gekommen?
Das war Ende 2004. Ich bin nach Köln gekommen, wegen der Arbeit und der Liebe. Es war der berühmte Sprung ins kalte Wasser.
Und wie schwimmt es sich, wie gefällt es dir hier?
Es wird immer mehr meine Stadt.
Du bist durch einen schweren Unfall dazu gekommen, dich mit Heilverfahren zu beschäftigen. Irgendwann bist du auf Quantenheilung gestoßen. Was hat dich überzeugt, dass es eine
wirkungsvolle Methode ist?
Nach meinem Motorradunfall hatte ich groß flächige Verbrennungen und ein kaputtes Knie. Zudem war ich, in dieser Zeit, beruflich erfolgreich, aber auch total ausgebrannt. Körperlich und seelisch
befand ich mich auf dem Tiefpunkt meines Lebens. Aus dem Impuls heraus, nicht ständig Medikamente nehmen zu müssen, habe ich mich mit verschiedenen Heilmethoden beschäftigt. Durch die
Quantenheilung fand ich damit langfristige Hilfe.
Wie funktioniert diese Methode?
Quantenheilung arbeitet mit sanfter Berührung und versetzt das vegetative Nervensystem spontan und sofort in einen Zustand, in dem tiefe, heilende Prozesse stattfinden. Das Nervensystem schaltet
unmittelbar auf Heilung um und kann all das „reorganisieren“, was nicht optimal funktioniert.
Das klingt spannend. Nur Wie soll das funktionieren?
Das Geheimnis dabei ist, in eine Leere zu kommen, im hier und jetzt zu sein und nicht an Vergangenes zu denken bzw. zurückzuschauen.
Wie meinst du das?
Wir haben 50.000 – 80.000 Gedanken am Tag; davon nicht einmal 1.000 bewusst. Ich übe mit den Menschen wie sie von ihrem Alltagsbewusstsein in ihr reines Bewusstsein gelangen. Mit ein wenig
Training gelangt man immer länger in diese Leere und erzielt dann bei der Arbeit mit der Quantenheilung beste Ergebnisse. Bewusstsein und Achtsamkeit sind maßgebend um einen vollen Erfolg zu
erzielen. Heilung basiert schon immer auf der Vorstellung eines perfekten Zustandes.
Dies ist der Zustand, in dem Heilung möglich ist?
Ja. Diese Methode eignet sich daher sehr gut für die Selbsthilfe, macht aber auch jede professionelle Behandlungs- und Veränderungstechnik wirksamer. Damit kein hinderlicher (negativer) Gedanke
kommt, benötigt man diese Gedankenleere. Den Verstand abschalten und Intuition zulassen, ist einer meiner Lieblingssätze.
Wie passiert dann aber die Heilung?
Durch diese Leere verbinden wir uns mit unserem Quantenfeld und erinnern unser Bewusstsein an den Urzustand „so wie wir gedacht sind“. Das Bewusstsein ordnet alles mit einer sanften Welle des
Wohlgefühls. Kleine Wehwehchen verschwinden sofort, chronische Leiden werden Schicht für Schicht abgebaut. Es ist leicht zu erlernen und kann sowohl zur persönlichen Gesundheitsvorsorge
eingesetzt werden, als auch zur Ergänzung zu jeder Behandlungsform.
Was hast du bemerkt, passiert während der Praxis?
Durch die Arbeit mit dem Bewusstsein, mit Achtsamkeit auf sich selbst gerichtet, erfährt man wie sich die Wahrnehmungskanäle öffnen. Beste Ergebnisse erhält man, wenn man sich selbst achtet, auf
seine Interessen hört und sich selbst der wichtigste Mensch ist. Das soll nicht die Egoebene erreichen. Es geht darum, dich dir selbst ganz Nahe zu bringen. Gib ab, was in deinem Leben nicht mehr
stimmig ist und freue dich auf eine neue, positive Sichtweise in deinem Dasein.
Das klingt ganzheitlich. Für wen ist die Quantenheilung gedacht?
Für jeden der sich selber fit und gesund halten möchte. Der auf seinen Körper hört oder es erlernen möchte. Das Alter spielt hier keine Rolle und es ist überall einsetzbar: bei Mensch, Tier und
Natur
Du bietest Einzelbehandlung und Tagesworkshops an. Wie läuft eine Einzelbehandlung ab?
Wir besprechen kurz welches Thema der zu Behandelnde mitbringt. Das Ganze findet meistens im Stehen statt; bei einigen Menschen auch liegend, wenn es z.B. im Bereich des Kopfes ist. Ich stoße
dann das Energiefeld des anderen an. Man kann auch sagen: ich kippe seinen Schalter um. Die Energie meines Klienten fließt genau dort hin, wo sie gerade am nötigsten gebraucht wird. Die
Behandlung dauert bis zu einer Stunde. Danach ist nicht Schluss, sondern die Selbstheilungskräfte sind aktiviert und arbeiten weiter.
Was machst du während der Tagesworkshops?
Hier erläutere ich die Thematik. Nach einer kurzen Tiefenentspannung werden, in Gruppen von 2 – 3 Personen, die verschiedenen Atemtechniken geübt. Da ich selbst mit jedem Teilnehmer einmal
gearbeitet haben möchte, finden die Tagesworkshops in kleinen Gruppen, von maximal 8 Personen statt. Der Kurs ist sehr umfangreich und jeder Teilnehmer erhält ein Skript um zu Hause weiter
arbeiten zu können. Auch bei meinen Vorträgen erzähle ich nicht nur. Es ist mir sehr wichtig, dass Interessierte das Gehörte auch in die Praxis umsetzen. So gestalte ich diesen Vortrag mit
kleinen praktischen Übungen.
Mit welchen Themen beschäftigst du dich außerdem?
In erster Linie beschäftige ich mit dem Buddhismus, was auch sehr wichtig für meine Arbeit in der Quantenheilung ist. Der Mensch ist und war immer ein Thema, was mich beschäftigt.
Zu finden bin ich oft im Fitnessstudio und ich liebe die Sauna. Dann noch ein gutes Buch und der Tag ist rund für mich.
Wenn du die Macht hättest, die Welt nach deinen Wünschen zu gestalten, wie sähe sie dann aus?
Ich würde den Egomodus der Menschheit abschaffen
Was glaubst du, können Menschen in ihrem Alltag tun, um die Welt positiv zu beeinflussen?
Mehr Toleranz und Feingefühl würde die Welt schon freundlicher und friedlicher machen.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Dass viele Menschen meine Arbeit gut umsetzen können und die Menschheit einen friedlichen, glücklichen Weg einschlägt. Gesundheit und Wohlergehen :-)
Vielen Dank für das Gespräch!
Ilka Baum
Anke Münick
Tel.: 0221 - 169 167 04
email: amuenick@gmx.de
www.alternative-heilung-koeln.de
Ausg. 174 November - Dezember 2010
Ich bins dein Nachbar...Nina Marxen
Ich treffe Nina Marxen in ihrem Atelier „Aufgemalt“ in Keupstraße. Etwas dunkel und mystisch, nicht geleckt und clean, sondern warm und freundlich ist es hier. Ich bekomme das Gefühl hier
kann ich absolut entspannt sein, alles ist o.k., egal was es ist und es kann mir nichts passieren.
Nach einer langen Reise und einer Erziehungspause ist die zweifache Mutter nun wieder vermehrt künstlerisch aktiv. Und man sieht es. Wandgemälde, Aktionen und Performances von Nina Marxen
begegnen dem Kölner immer öfter.
Wir sprechen über Berlin, Aufgemalt und darüber, wie es ist nach der Erziehungspause wieder zu starten
Nina Marxen - Kurz gesagt
1. Ein guter Tag beginnt für mich…mit Meditation vor dem Sonnenaufgang.
2. Ich komme urprünglich aus…Berlin - Kreuzberg
3. Ich bin nach Köln gekommen...weil es eine Herzensentscheidung war! Köln ist eine meiner Lieblingsstädte!
4. Mein liebster Fleck Mülheim...am Rheinufer !!!
5. Drei Worte, die meinen Charakter beschreiben...einfühlsam, aufgeschlossen, liebevoll
6.Ich mag gern…mit meinen Kindern lachen
7. Ich mag nicht gern...Engstirnigkeit, Vorurteile
8 Ich lese zur Zeit das Buch…von Max F. Long über die Lehren der Kahunas
9. Dieses Erlebnis vergesse ich nie… als die Mauer wurde geöffnet wurde und ganz Berlin war im Freudentaumel!
10. Auf eine einsame Insel nehme ich mit...Ölfarben, Leinwand und Pinsel
11. Als Kind wollte ich…mit den Elfen und Kobolden im Wald spielen!
12. Glück bedeutet...Glück ist in jedem Tag zu finden!
Berlin & Wanderschaft
Hallo Nina, du bist in der kreativen Hochburg Berlin-Kreuzberg groß geworden und wolltest nichts anderes als Künstlerin werden. Warum?
Ich habe gemalt, bevor ich sprechen konnte. Es ist meine Sprache und für mich naheliegender als Worte zu benutzen. Ich bin auf eine gewisse Art besessen davon, mich auszudrücken. Wobei
Kunst ansich, etwas Selbstverständliches und Natürliches darstellt.
Du hast kein klassisches Kunststudium absolviert, sondern hast das künstlerische Arbeiten autodidaktisch erlernt. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe in Berlin eine gute Ausbildung genossen, da ich kurz vor dem Abitur in die damalige Kunstszene hinein gekommen bin. Das war mein großes Glück.
Ich habe sofort Ausstellungen gemacht und ich bekam Aufträge. Es ist also automatisch in Gang gekommen und ich habe meine Arbeit so auf dem praktischen Weg erlernt.
Die bunte, wilde und rebellische Welt des Berlin-Kreuzberg der 80-iger Jahre, hat dich mit seiner Vielfalt geprägt. Wie siehst du diese Energien von damals?
Es war ein Sammelpunkt von Potentialen, von verschiedenen alternativen Lebensmodellen, die entwickelt wurden. Ich bin natürlich ein großer Fan der Grafitti-Kunst. Wir waren von Mauern umgeben. Es
ist für mich heute noch einem Wunder gleich, wenn ich von der Stadt aus, in den Wald fahren kann.
Du hast in Berlin viel mit Mao und anderen Künstlern, mitunter interdisziplinär, zusammen Kunstprojekte verwirklicht. Ist dies bezeichnend für dich?
Der Austausch und die Kommunikation interessieren mich sehr. Ich habe z.B. viel mit Musikern zusammen gearbeitet und in Clubs Ausstattungen gemacht.
Ich bin also nicht so der klassische Maler, der allein in seinem Atelier vor sich hinmalt. Ich gehe gern zu den Menschen.
Wie war das in Berlin für dich nach der Maueröffnung?
Als die Mauer geöffnet wurde, wurde es noch spannender im kulturellen Bereich. Gerade in der Subkultur ist damals alles explodiert. An jeder Ecke gab es einen neuen Laden, eine neue
Undergroundgalerie, ein neues Theaterprojekt. Die Menschen waren wahnsinnig kreativ.
Dann hast du alles aufgegeben und bist 5 Jahre lang als Straßenkünstlerin durch Deutschland gezogen. Warum bist du nicht in Berlin geblieben, das für Künstler nach wie vor sehr spannend
ist?
Ich musste da einfach raus. Das war ganz wichtig, diese Mauern hinter mir zu lassen.
Ich habe nun auf eine andere Art ein Extrem gelebt. Ich war von einem Zen-Gedanken getrieben. Nämlich, dass ich keinen Besitz habe, nur das, was ich tragen konnte. Ich habe sogar meine komplette
Werkstatt, aufgegeben.
Was hast du von deinen Reisen mitgenommen?
Ich habe damals sehr viel gemalt und der Austausch mit dem Publikum war immer direkt. Was mir eine tiefe Befriedigung gegeben hat. Heute male ich bei schönem Wetter an der Rheinpromenade,
das beschert mir ein ähnliches Gefühl.
Köln
Für dich ist Kunst etwas Selbstverständliches. Warum?
Mein Ansatz für Kunst ist Entertainment. Unterhaltung. Als Straßenkünstlerin habe ich vor allem gelernt und genossen, alle Bevölkerungsschichten anzusprechen und zu bedienen. Kunst ist nicht nur
für eine elitäre Oberschicht da. Ich finde der Künstler hat die Aufgabe sich um die Seele der Menschen zu kümmern. Also ist Kunst für mich nichts abgehobenes elitäres, sondern etwas ganz
verwurzeltes und selbstverständliches im menschlichen Leben.
Wie kam es schließlich dazu, dass du dich in Köln niedergelassen hast?
Irgendwann bin ich schwanger geworden und ich hatte das Bedürfnis mich zu verwurzeln. Ich musste meinen Lebensstil somit komplett ändern. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, wo ich mich denn
nun nieder lasse und meine Wahl fiel auf Köln. Ich habe es keinen Tag bereut. Köln liebe ich sehr.
Wie ging es dann mit deiner künstlerischen Arbeit weiter?
Als die Kinder klein waren, habe ich erstmal eine Pause gemacht, um danach eigentlich wieder bei null anzufangen. Wenn es nicht so gut läuft, kontere ich mit viel Optimismus und
Lebensfreude
Das Netzwerk, was ich bspw. in Berlin hatte, das muss ich mir hier erstmal wieder erarbeiten. Es hat sich viel verändert und mittlerweile sind die Ansprüche auch anders geworden.
Hier in Köln ist so viel künstlerisches Potential. Das will ich alles entdecken. Dein Atelier heißt „Aufgemalt“, was bedeutet das?
Die Idee ist mir gekommen, weil das Wort ein bisschen nach Sesamstraße klingt. Ich habe mir etwas Naives in meiner Malerei bewahrt. Außerdem bezeichnet es eine Richtung. Aufgemalt, es geht nach
oben, das ist meine Zukunftsprognose. Ich muss mich von der Straße nach oben arbeiten.
Welche Themen beschäftigen dich?
Ich thematisiere, was ich bspw. in tiefen Entspannungszuständen sehe oder was mir im Alltag begegnet. Ein großes Thema von mir ist, die Sinnlichkeit der Frau darzustellen. Es ist ein Auftrag
unserer Generation diese festgefahrenen Meinungen aufzubrechen, es wurde so lange unter Verschluss gehalten. Außerdem mag ich das Schreckliche und Dunkle, weil es diese Seite nun einmal gibt. Es
gibt Zerstörung, Neid und alles was Negativ ist. Ich denke nur darüber, dass man das Negative ebenso wie das Positive annimmt, gelangt man zu einem wahren Glücklich sein.
Arbeitsfelder
Neben anderen Projekten, hast du Malereien in der Hacketäuer Siedlung mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt, die in der Öffentlichkeit viel Zuspruch gefunden haben. Was gefällt dir an
dieser Arbeit?
Ich bin durch meine eigene Mutterschaft dazu gekommen. Ich stellte mir, wie viele andere Frauen auch, die Frage: „Arbeit und Mutterschaft, wie bekomme ich das unter einen Hut?“ Dann bin ich auf
die Idee gekommen meine Arbeit zu erweitern. Und ich habe es ja bei meinen eigenen Kindern gesehen. Wie viel Kinder mitbringen, was sie einbringen, wie viel man an Erfahrung weiter geben kann,
das ist enorm.
Wie gestaltet sich solch ein Projekt?
Für die Projekte ist der Grundtenor, dass der Malgrund die Begegnungsfläche ist. Im Grunde ist es das, was Kunst eigentlich ist…Kommunikation. Als Künstlerin habe ich natürlich noch einen
besonderen Status. Ich bin ja keine klassische Lehrerin. Ich gebe den Kindern einen bestimmten Rahmen vor, aber letztendlich finde ich es toll, wenn sie etwas Eigenes entwickeln. Für mich ist es
ein Erfolg, wenn ein Kind aus sich heraus geht und sich völlig löst. Dann ist es nicht so wichtig, ob die Vorgabe erfüllt ist.
Du bemalst nicht nur in künstlerischen Projekten Wände, sondern fertigst Auftragsarbeiten an. Was haben dir die Wände angetan?
Wie eingangs erwähnt, bin ich ein Fan der Grafittikunst. Ich finde die Welt könnte noch viel bunter sein. Gerade da wo alles grau und eintönig ist. Allerdings betreibe ich gerade bei den
Auftragsarbeiten zum Teil Kunsthandwerk. Das heißt ich bringe gern eigene Ideen an die Wand oder ich male nach Vorgabe. So ist bspw. ein Wandgemälde im Wartezimmer einer Kinderarztpraxis hier in
Köln-Mülheim entstanden. Ich passe mich da gern den Wünschen der Auftraggeber an.
Ein anderer Teil deiner künstlerischen Arbeit sind Performances. Wie gestalten sich diese?
Ich habe bspw. in der Galerie Scratchart eine Bodypainting – Performance gemacht. Ich veranstalte Live-Malen. Zum Beispiel im Rahmen einer Ausstellungsöffnung meiner Werkschau im Cafe
Schlechtriemen in Leverkusen. Dort habe ich, während der Autor Josef Ternes einen eigenen Text las, ein Werk entstehen lassen.
…und ab und zu bleibt dir auch noch Zeit ganz frei ein Bild zu malen?
Ja. Mich verbindet eine Liebe zur Ölmalerei. Das ist für mich die absolute Königsdisziplin in der Lasurtechnik. Dadurch bekommt man eine intensive Farbtiefe. Man kann ein Bild mit Ölfarbe viel
mehr zum Strahlen bringen. Zusätzlich arbeite ich gern mit Pastellkreide, da hier unglaublich schnell ein Bild entstehen kann.
Lebensphilosophisches
Deine Arbeiten nehme ich als mystisch, märchenhaft und aus tiefster Seele wahr. Wie beschreibst du deine Arbeiten?
Meine Bilder sind immer ein direkter Blick ins Innere. Ich finde es immer schwierig zu antworten, wenn mich jemand fragt, wie malst du denn? Sicherlich habe ich einen bestimmten unverkennbaren
Strich, eine eigene Art zu malen Es ist unterschiedlich. Ich finde es gut so und ich bin froh, dass ich wahrscheinlich dadurch, dass ich nicht durch die Uni gebügelt wurde, für alles offen
geblieben bin.
Wenn du die Macht hättest die Welt nach deinen Wünschen zu gestalten, wie sähe sie dann aus?
Die Menschen können friedlich miteinander leben, im Einklang mit der Natur, die Ressourcen unseres Planeten werden achtsam genutzt und es herrscht Gerechtigkeit.
Was können die Menschen deiner Meinung nach in ihrem Alltag tun, um die Welt positiv zu beeinflussen?
Schon mit kleinen Gesten der Freundlichkeit und Rücksichtnahme kann man positive Stimmung weitertragen, alle und alles ist letztlich miteinander verbunden - gehst Du gut mit Dir selbst um, so
wirkt sich das auch auf Dein Umfeld aus.
Vielleicht müssen wir die Welt auch gar nicht retten. Vielleicht ist alles in Ordnung und es ist nur unsere Sichtweise, die die Welt in den Abgrund treibt. Die Natur ist ja kein starres System.
Es ist immer Dynamik. Anziehung, Abstoßung.
Wie sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich schätze die nächsten zehn Jahre werde ich bestimmt hier in Köln bleiben. Was danach ist, da kann ich für nichts garantieren. Letztendlich bin ich wahrscheinlich doch eine Zigeunerin.
Ich habe so viele Pläne. Ich hoffe, dass ich 100 Jahre alt werde, um das alles zu verwirklichen.
Und was wünschst du dir?
Mein Traum ist es eine Kirche auszumalen. Vielleicht finde ich eine innovative Kirche, die an einem gemeinsamen Projekt interessiert ist.
Wir wünschen dir viel Erfolg und freuen uns auf weitere Bilder außer- und innerhalb der Häuser von Köln!
Ilka Baum
Kontakt:
Atelier Aufgemalt, Keupstraße 11, 51063 Köln, info@aufgemalt.de
Mülheimer Stimmen