Titelstory

(Ausgabe 174 Nov./Dez. 10)

„Mülheim bolzt für Respekt“

Auszeichnung

Fragt man die Leute: Wie sehen sie denn die Jugend von heute?

Da fängt so mancher an zu spucken und zu kotzen, da gibt es richtig was zu motzen.

Ich glaube jedoch, wir tun ihnen damit oft Unrecht. In meinen Augen ist es eher ein Gesellschaftspolitisches Problem, als die Schuld der Jugendlichen. Sie sind nur der Spiegel unserer Gesellschaft und von uns selbst.

In einer Zeit, wo nur Erstklassigkeit und Höchstleistung zählt und die Kids schon viel zu früh auf ihre Rolle im Kapitalismus vorbereitet werden, gehen Werte wie: Miteinander, Solidarität, Respekt... leider mehr und mehr verloren.

Es geht auch anders!

Seit dem Frühjahr 2009 engagieren sich einige Jugendliche aus Köln-Mülheim für interkulturelle, gewaltpräventive und Toleranz fördernde Fußballbegegnungen und ein eigenes Eventformat für Gleichaltrige mit und ohne Migrationshintergrund: „Mülheim bolzt für Respekt“.

Eine Maßnahme von benachteiligten Jugendlichen mit Migrationshintergrund für andere Mülheimer Jugendliche.

Es handelt sich um vier Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren mit Migrationshintergrund, die sich für integrative, gewaltpräventive und gesundheitsfördernde Projektarbeit engagieren.

Die Namensgebung, Organisation und Durchführung der Begegnungen für mehr Toleranz und Respekt, gegen Rassismus, Ausgrenzung und Gewalt erfolgte durch die Jugendlichen : Adnan, Baran, Turac und Magomed selbst. Unterstützt werden sie hierbei tatkräftig von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des „Don Bosco Club“ in Mülheim.

Zum 11. Kölner Ehrenamtstag, der am 26. September 2010 auf dem Kölner Heumarkt und dem Alter Markt statt fand, wurden sie dafür zu Recht mit dem Sonderpreis;„Bürgerschaftliches Engagement von Migrantinnen und Migranten“ ausgezeichnet.

Einmal in der Woche treffen sich die Jungs um die nächsten Turniere zu planen und zu organisieren. Das Besondere an diesen Turnieren ist, dass es einen „kleinen Pokal“ für den sportlichen Sieg und einen „großen Pokal“ für das Fairplay-Spiel gibt.

Mittlerweile ist es der Anspruch der Mannschaften,den „großen Pokal“ zu gewinnen. Dies wiederum spricht dafür, dass die Turniere ein sehr, sehr großer Erfolg sind.!!!

Die Jungs sagten mir, dass durch dieses gemeinsame Projekt Freundschaften gefestigt werden und neue Freundschaften entstehen. Auch der Umgangston untereinander ist freundlicher geworden, es wird weniger rumgezickt und Streitereien gibt es auch viel weniger. Sie sind damit Vorbild für viele Jugendliche aus anderen Jugendeinrichtungen im Wohngebiet Köln-Mülheim, das durch eine besondere Förderwürdigkeit im Jugendhilfebereich wie auch einen besonderen Entwicklungsbedarf mit Blick auf eine sinnvolle Freizeitgestaltung ausgezeichnet ist.

Wenn wir unsere Jugend mehr Inspirationen geben, Mut machen und unser Vertrauen aussprechen, dann sehen wir, dass die Jugendlichen mit viel Freude und großer Begeisterung Verantwortung übernehmen können und vor allem wollen.

Wir sind es, die unseren Kids Liebe und ihren Seelen ein zu Hause geben müssen. Nur so können wir sie auf das Erwachsen werden und ein durch Respekt geprägtes Zusammenleben in einer Gemeinschaft vorbereiten.

(Ausgabe 167 März/April 2010)

FriedensARTen im Kulturbunker Mülheim

Sei dabei! am Samstag, der 24.04.2010 um 18.00 Uhr

Im Kulturbunker Mülheim, Berliner Straße 20, 51063 Köln-Mülheim – www.kulturbunker-muelheim.de

 

Eintritt kostet: 3,- € (Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren frei)

 

In Mülheim leben Türken neben Kurden und Griechen, Palästinenser neben Israelis, Iren neben Engländern, Amerikaner neben Iranern, Kölner neben Düsseldorfern…wir wollen zusammen feiern.
Zeigen wir, wie vielfältig und reich eine Gesellschaft sein kann, in der jeder friedlich seine Kultur leben kann!
Musik, Tanz und Lesebeiträge von Menschen aus ca. 20 Ländern dieser Erde, bilden das Programm der Friedensparty.
Sei auch du dabei und feiere mit!
 

Auf dem Programm steht:


Ofer Golany & Alexander Meyen bieten Klezbopfolk. Ein jüdischer Kriegsdienstverweigerer aus Jerusalem und ein fremdenfreundlicher Geiger aus Köln, mit  jüdischen Wurzeln reisen 10-saitig durch ein spirituelles Kabarett durch die menschlichen Schwächen.

 

Ofer Golany (Israel): Ofer hat in Bars, Kaffeehäuser und auf den Straßen dieser Welt als Solist und etlichen Bands gespielt. In sein ungewöhnlich breit gefächertes musikalisches Repertoire fließen Einflüsse aus Israel, Palästina, Amerika, Europa, Indien und den arabischen Ländern. „guns2guitars“ (Gewehre zu Gitarren) ist programmatisch für seine Friedensarbeit. Er will Musik als internationale Sprache zur Überwindung von Nationalismus und Krieg einsetzen.
www.ofermusic.com

Meyen (Deutschland): Der musikalische Grenzgänger und studierte Jazzmusiker Alexander Meyen lernte auf Reisen durch Südeuropa und den nahen Osten die Musik der Juden und der Roma schätzen und hat als Straßenmusiker Land und Leute kennen gelernt. Aufgrund seiner stilistischen Vielfalt gelingt es ihm eindrucksvoll Ofer Golanys Songs zu unterstützen und klanglich zu bereichern.
www.violalex.de

 

DezzDeniz (Türkei) & internationale Breakdance Gruppe – kurdischer HipHop
DezzDeniz kam 1983 in Midyat in Türkisch-Kurdistan zur Welt. Vor elf Jahren wanderte ihre Familie aus politischen Gründen nach Deutschland aus. DezzDeniz singt  HipHop auf kurdisch und hat das Friedensforum ArtPfWpeace (Artplatform for Worldpeace) gegründet. Die Künstlerin möchte auf diesem Wege eine Friedensbotschaft in die Türkei senden. Unterstützt wird ihr Auftritt durch eine internationale Breakdance Gruppe aus Bonn.
www.hunermedya.com - www.dezzdeniz.com

 

Patty Stucki (Schweiz) - Elektronic songwriter
Inspiriert vom wunderschönen Universum, von Wind, Wasser, Planeten, Bergen, Pflanzen und Musik aus aller Welt folgt die Schweizer Sängerin und Klangkünstlerin Patty Stucki ihrer Inspiration und kreiert mit ihrer Musik ihren eigenen Sound. Pattysplanet gründete sie 1999 und ist seit 2000 auch live damit unterwegs. Auf ihren Konzerten tritt sie mit Laptop auf, den sie fernsteuert (Pedale, Keyboard, spez. Controller), singt per Looping mehrstimmige Chöre live  und spielt Sax und Midi-Sax.
www.pattysplanet.de.

 

Mr. Shirazy (Iran) – Worldtronica Live Act
Der Sänger und Multiinstrumentalist Omid Shirazy bringt mit seinem unverkennbaren Vocalstyle und seinem selbsterfundenen audiovisuellen Looping-Instrument „Freeak“ eine völlig neuartige Musik hervor. Die Sets von Mr. Shirazy & Co sind ein aufregender Mix aus Konzert und DJ-Set; von Acappella über Funk bis hin zur Worldbeats und Electrotracks. www.guru-records.com

 

Weitere Programmpunkte:

 

M.I.X. Music International against Xenophobia (Musik gegen Fremdenhass) – Song „When“ der Schülerband der Hauptschule Rendsburger Platz aus dem Projekt Babylon 2009...Artikel: Station Babylon 2009
Israelischer Folkloretanz – Multikulturelle Frauengruppe
Blue Flower Poesie – Traditonel / Friedenslieder
A. Kadir Konuk – kurdischer Dichter liest ein Gedicht in Deutsch
Twisted Sisters – Tanzgruppe Mülheim
Davorka Schleiff (Kroatien) – Geschichte über das Verzeihen
Lilli B. – Hip Hop

 

Moderation:
Lilli B. - Seit dem Jahre 2001 ist die Rapperin Lilli B. in der Reggae Szene Deutschlands aktiv. Anfangs als MC eines der ersten deutschen LadySoundSystems (Beezsound), ist sie jetzt Solo unterwegs. Nach jamaikanischer Tradition rappt sie nicht nur, sondern ist stets auch in Interaktion mit dem Publikum, "a real Entertainer". Ihre deutschen Lyrics präsentiert sie auf bekannte Reggae Riddims. Als Moderatorin bezaubert die junge Frau das Publikum auf ihre unverfälschte und lustige Art. www.lilientraum.blogspot.com/

 

Zusätzlich bietet ein buntes Rahmenprogramm von Künstlern, Vereinen und Menschen aus Mülheim und der ganzen Welt!

 

U.a. :

Monika Seyhan - "Blauäugig" - Roman

Atlant e.V. - www.atlant-koeln.de

Begegnung der Kulturen - http://www.begegnungderkulturen.de

 

 

Veranstalter:
Alexander Meyen – www.violalex.de e.V.

lebeART e.V. - www.lebeart.de e

Kulturbunker Mülheim – www.kulturbunker-muelheim.d

Mülheimer Stimmen – www.muelheimer-stimmen.de

Begegnung der Kulturen – www.begegnungderkulturen.de

Atlant e.V. – www.atlant-koeln.de

Multikulturelle Frauengruppe

ArtPfWpeace - Art plattform for Woldpeace – www.hunermedya.com

Forum Cologne - www.forum-cologne.de

 

 

(Ausg. 167 März / April 2010)

Mülheim entdeckt seine NS-Geschichte


Stolperverlegung in Mülheim

 

Am Samstag, den 06.02.2010 holten wir die Erinnerung nach Mülheim und ließen durch Gunter Demnig 10 Stolpersteine zum Gedenken der Angehörigen der Familie Mohl verlegen, die im Holocaust ermordet wurden.

Wir haben am 09.11. 2009 im Rhein-Gymnasium den Film „Stolperstein“ gezeigt und uns mit der jüdischen Gemeinde Mülheim und dem Schicksal der Familie Mohl beschäftigt.

Wir haben ehemalige Mitglieder der Gemeinde und ihre Zeitgenossen befragt und in Quellen geforscht. Dabei haben wir herausgefunden, dass die Familie Mohl seit dem 18. Jahrhundert hier gelebt und zum Wohle der Stadt Mülheim/Rhein beigetragen hat.

In der Bachstraße 13 hatten die vier Brüder Mohl eine Metzgerei. In der Formesstraße 44 lebten Abraham und Rosalie Mohl mit ihren vier Kindern. In der Stöckerstraße 14 wohnten Markus und Bertha Mohl mit drei Kindern. Abraham wurde mit seiner gesamten Familie deportiert und ermordet, aus Markus´ Familie konnten zwei Kinder rechtzeitig fliehen.
 
In der Windmühlenstraße 127 lebten Aaron und Jeanette Wolff. Jeanette war eine von drei Schwestern der Brüder Mohl. Die übrigen waren Lena Speier-Holstein und Veronika Simons. Lena starb nach Zwangslager in Köln, Jeanette und Veronika im Osten.

Die Familien wollten hier arbeiten und leben. Zuerst durften sie nicht mehr arbeiten, dann wurden sie deportiert und ermordet.

Wir wollten die Erinnerung an die Familien Mohl und andere Opfer der NS-Zeit in Mülheim erneuern und dazu beitragen, dass Ausgrenzung, Entrechtung, Faschismus hier nie wieder möglich sind.

Die Verlegungen begannen um 11:00 Uhr in der Stöckerstraße. Hier haben SchülerInnen Texte vorgetragen, Filmaufnahmen gemacht, eine Klezmer-Gruppe hat musiziert. Danach haben wir die Verlegungen in der Formesstraße und Windmühlenstraße fortgesetzt.

Zum Abschluss wurde ein verschwundener Stein in der Steinkopfstr. 62 erneuert.

 

 


Für die Familie Abraham Mohl gibt es sechs Stolpersteine in der Richard Wagner Str 23 in Köln Neustadt-Süd.
Die Geschichte der Familie Mohl lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Mülheim am Rhein war damals eine selbständige Stadt. Sie hatte eine jüdische Gemeinde und eine Synagoge. 1784 lebten in Mülheim 10 jüdische Familien. Eine davon war die von Josef Horn. Josef Horn stammte aus Bayern. Er heiratet Hanna Jeanette Isaak aus Mülheim. Sie wohnten in der Altstraße und hatten eine Metzgerei.
Ihre Tochter Bella heiratete den Lehrer Abraham Mohl aus Bergheim. Er unterrichtete dort an der Synagoge und an der jüdischen Schule. Bella und Abraham Mohl starben früh. Ihr zwölfjähriger Sohn Josef kam zu den Großeltern nach Mülheim und wurde, wie sein Opa und seine Onkel, Metzger.
Als 1826 der Großvater starb, übernahm Josef Mohl die Metzgerei. 1830 heiratete er Jeanette Heymann aus Mülheim. Jeanette und Josef Mohl hatten drei Kinder, nämlich Hermann, Sibilla und Veronika.
1863 starb Josef Mohl. Hermann übernahm die Metzgerei. Er wohnte in der Bachstraße 13. In dem Haus war auch die Metzgerei. Das Haus gehörte ihm.
Hermann Mohl heiratete Elisabeth Dülken aus Deutz.
Sie hatten sieben Kinder, die alle zwischen 1877 und 1888 in der Bachstraße 13 geboren sind. Sie hießen Jeanette, Moses, Abraham, Markus, Josef, Helena, Veronika. Nach dem Tod von Hermann Mohl führten seine vier Söhne die Metzgerei fort. Moses und Josef waren ledig. Abraham war verheiratet mit Rosalie Simons. Sie hatten zwei Söhne und zwei Töchter. Markus war verheiratet mit Bertha Stern. Sie hatten eine Tochter und zwei Söhne.
Abraham und Rosalie Mohl lebten mit ihren Kindern Walter, Heinz, Hanna und Martha in ihrem Haus in der Formesstraße 44. Walter und Heinz besuchten das heutige Rheingymnasium.
1934 musste die Metzgerei aufgelöst werden. 1939 wurde das Haus in der Formesstraße enteignet. Die Familie musste in ein sogenanntes Judenhaus in der Richard-Wagner-Straße ziehen. Dort wohnten sie zusammen mit dreißig anderen jüdischen Personen. 1941 wurde die Familie in ein Ghetto nach Lodz deportiert. Abraham Mohl arbeitete als Metzger im Ghetto. Walter und Heinz waren als Arbeiter tätig, auch bei Arbeitseinsätzen außerhalb des Ghettos. Hanna und Martha arbeiteten als Näherinnen in einer Handschuh- und Strumpffabrik.
Abraham, Rosalie und Martha kamen 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof, 60 km von Lodz (Litzmannstadt) entfernt. Walter, Heinz und Hanna mussten weiter im Ghetto Zwangsarbeit leisten. Walter starb 1942 und Heinz starb 1944 im Ghetto in Lodz (Litzmannstadt).
Hanna arbeitete bis Juli 1944 in dieser Handschuh- und Strumpffabrik, die wahrscheinlich Bekleidung für die Wehmacht (Militär) herstellte. Hanna wurde entweder nach Kulmhof oder nach Auschwitz gebracht und getötet. Für die Familie Abraham Mohl werden sechs Stolpersteine verlegt. Da, wo sie ursprünglich gewohnt haben. Markus und Bertha Mohl lebten mit ihren Kindern Ruth Frieda (Friedchen), Hermann und Josef in der Stöckerstraße 14. Bertha starb 1941 nach einem Zwangsumzug aus ihrem Haus nach Müngersdorf in ein Barackenlager. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof Deckstein in der Nähe von Müngersdorf beerdigt. Josef, genannt Jojo, er war auch auf dem heutigen Rheingymnasium, wurde ohne Grund in Köln inhaftiert und einen Tag nach der Beerdigung der Mutter im Gefängnis erschlagen.
Markus Mohl wurde 1942 von Bonn aus nach Lublin deportiert und sehr wahrscheinlich dort ermordet.
Ruth Frieda und Hermann gelang mit Hilfe von ihrem Onkel Josef, einem Bruder des Vaters, die Flucht aus Deutschland. Sie wanderte mit dem Onkel nach Buenos Aires aus. Hermann lebte nach dem Krieg in Kapstadt. Für die Familie von Markus Mohl werden drei Stolpersteine verlegt.

Jeanette Mohl, eine Schwester von Abraham und Markus, heiratete Aron Wolff. Sie lebten in der Windmühlenstraße 127. Sie hatten keine Kinder. Aron Wolff starb im September 1938.
1939 musste Jeanette in ein sogenanntes Judenhaus in der Kapellenstraße ziehen. Dort waren 145 Kölner Juden einquartiert.
Jeanette Wolff wurde 1942 nach Lublin deportiert und wurde dort wahrscheinlich ermordet.
Nach dem Krieg wurde sie für tot erklärt.
Für Jeanette Wolff wird ein Stolperstein verlegt.

Die Familie Mohl ist im Holocaust nahezu ausgelöscht worden.


Kleine Gedichte über die Judenverfolgung

 

Geschrieben von Schülerinnen und Schülern der Klasse 6.1.3 der Willy-Brandt-Gesamtschule im Rahmen des Projekts: „Mülheim entdeckt seine NS-Vergangenheit"


Hitler
tut stark
übt vorm Spiegel
kommt an die Macht
1933
Jill, Selenay

 

Hitler
böser Tyrann
mag keine Juden
machte den zweiten Weltkrieg
Trauer
Corvin


Juden
nicht erwünscht
viele mussten sterben
einigen gelang die Flucht
Ausland
Faruk, Kimberly


Jüdisch
während NS-Zeit
keine unbescherte Kindheit
Leben in einem Versteck
Angst
Jill

 

Juden
zunehmender Hass
Verbot öffentlicher Schulen
Zerstörung in der Kristallnacht
Konzentrationslager
Patricia


Jüdin
Faye Cukier
aufgewachsen in Mülheim
hat den Krieg überlebt
Belgien
Eileen, Ömer, Silvia


Krieg
Sirenen heulen
Laufen zum Bunker
Juden dürfen nicht rein
Angst
Ömer

 

 

 

(Ausgabe Dezember 2009 / Januar 2010 Nr. 165)

Station 3:  09. Dezember 2009, 20 Uhr - Bahnhof Köln-Mülheim

Station Babylon 2009
Mülheimer Bahnhof

 

 

Es gibt ein Programm des Bundes, welches heißt „Vielfalt tut gut.“ Hieraus entstand die Initiative „Mülheim entdeckt seine NS Geschichte“. In diesem Zusammenhang wurde das Projekt Babylon 2009 mit Schülern der Hauptschule Rendsburger Platz ins Leben gerufen.
 
Station 3:  09. Dezember 2009, 20 Uhr - Bahnhof Köln-Mülheim
Direkt an dem Bahngleis, an dem während der NS-Diktatur die Deportationszüge nach Osten, Richtung Vernichtungslager vorbei fuhren, befand sich die letzte der drei Stationen des Projektes.
Viele Interessierte fanden sich ein und gedachten der toten, verschleppten und misshandelten Menschen. An solchen Orten ist noch sehr viel Leid zu spüren. Die Andacht wurde im Anschluss untermalt von der afrokolumbianischen Folkloregruppe Manduco.
Genau einen Tag vor dem „Tag der Menschenrechte“ der UN, wollten die Schüler und ihre Gäste nicht nur der Opfer des NS-Regimes gedenken, sondern diese Aktion sollte stellvertretend für alle Menschenrechtsverletzungen auf der Erde stehen.
Etwa 11.000 Kölner Bürger wurden von ihren Mitbürgern zur Zeit des Nationalsozialismus verschleppt. Von den meisten weiß man nicht mehr viel. Erschütternd und aufrüttelnd ist es jedes Mal, ortsnah die Realität der Vergangenheit zu erfahren. Wie dies auf dem Bahnsteig geschah.
Das Leben geht weiter, doch unsere Taten hinterlassen Spuren. Freud wie auch Leid.
So wurde aus Dunkelheit Licht gemacht, denn im Anschluss an eine kurze geschichtliche Ausführung, folgte ein Lied der Hoffnung.
Die Schülerband MIX (Music International Against Xenophobia) der Hauptschule Rendsburger Platz erarbeitete den Song „When“.
Gemeinsam sangen Schüler und Gäste einen Teil daraus. Mit offenen Herzen.
In Deutschland ist die Zeit des Schreckens vorbei und wir hoffen alle, dass so etwas nie wieder passiert.
Das Lied „When“ wird im kommenden Jahr im Studio auf CD aufgenommen und als Lichtblick in die gesamte Welt, an alle Orte gesandt, an denen Menschen, Menschen quälen, töten und verachten.
Die Stationen Babylon wurden von dem Filmemacher Thorsten Kellermann mit der Kamera aufgenommen und es wird ein kurzer Dokumentarfilm darüber entstehen.
Am 26.02.2010, um 16.00 Uhr werden die Ergebnisse des Projektes im Kulturbunker Mülheim präsentiert.
Leiter dieses Projektes des Kran51 e.V., der Hauptschule Rendsburger Platz und NS DOK ist Harald Müller. E-Mail: stationbabylon2009@gmail.com
 
Hier ist ein Auszug aus dem Lied „When“ der Schülerband MIX der Hauptschule Rendsburger Platz, welches im Gesamten viele Sprachen umfasst.
 
„When“

Es ist wie Sonne und Sterne
Es ist wie Kälte und Wärme
Wenn jeder alles schaffen kann
Sag, warum nicht ich
 
Jeder ist wichtig,
Jedes Ziel ist richtig.
Mein Lied will dir Mut machen.
Es lässt dich nicht im Stich
 
Chorus:
WHEN, you`re crying for the time back home
Again, you`re flying in your mind alone
Though your fears are strong
You can hear our song
And we can hear you.
It won`t belong
You will hear our song
And we are near you.

Ilka Baum